Claire Valérie Zimmermann 2016

Claire Valérie Zimmermann 2016, Bachelar of Arts

Malerei als Ereignis - Barbara Heinisch | Zur performativen Ästhetik ihrer Bilder
Auszug aus der Hausarbeit zur Erlangung des Akademischen Grades Bachelor of Arts

„Sie ist und bleibt das eindrucksvollste Bindeglied zwischen Vollblutmalerei und Aktionskunst“ schreibt Heinz Ohff in einem Beitrag zu Barbara Heinisch. …

...Zur Verbildlichung werden zwei Arbeiten von Heinisch aufgeführt, eine Performance aus dem Jahr 1982 und eine aus dem Jahr 1983. Hierbei stoßen wir auf eine Problematik, die zugleich den Weg der vorliegenden Betrachtung ebnet...

P.S.1, New York: Performance mit Arnette de MIlle
...Das Gemälde, das aus der Performance im P.S.1 in Zusammenarbeit mit Arnette de Mille hervorgeht, trägt später den Namen The American Blue. Eine in sich kreisende, dunkelfarbig skizzierte Figurenkonstellation bildet das Motiv in diesem Werk. Im Folgenden soll die Leserichtung von links nach rechts vorgenommen werden, um einer besonderen Gewichtung vorzubeugen. Beginnen wollen wir mit der Gestalt unten links – die, wie wir bereits wissen, ebenfalls den Auftakt der Performance mimt. Die anfängliche Skizzierung einer Figur in schwarzer Tempera, die auf dem Boden kniet – sich mit der rechten Hand vom Boden abstützt, den Oberkörper leicht aufrichtet und dabei den linken Arm hinterrücks in die Höhe streckt – ist nach wie vor zu erkennen. Jedoch ist diese im vollendeten Bild nicht mehr die einzig denkbare Pose. Geschuldet ist dies der unmittelbaren Überlappung mit einer weiteren Gestalt, die sich aus dem Rücken der ersteren förmlich emporhebt. Es macht den Anschein als ziehe sich diese mit ihren Händen hinauf, zu einem »Loch« – das zugleich den Kopf des Körpers formt – um hindurch zu schauen. Überkreuzt wird diese Gestaltvon einem anderen Leib. Aus der Brust der zuvor beschriebenen Figur schält sich der Kopf von dieser. Getränkt von roter, gelber bis hin zu orangener Farbe geht der Hals über in den Arm, der wie eine Feuerflamme hinaufflackt. Angesichts der vielschichtigen Überlagerungen der Strichführungen lässt sich bereits der Rumpf schon nicht mehr eindeutig zuordnen. Dieses figürliche Arrangement ist zum Teil in einem graublauen Ton gefasst, zum Teil ziert aber auch das bloße Leinen die Körper. Umrissen sind diese in Königsblau, sowie Rot, Gelb und Orange. Durch jene Umrandungen scheinen die Gestalten in Schwingung zu geraten – als würden sie sich von der Leinwand abheben und flüchten wollen. Hervorsticht indes die rechts anschließende, baumstammförmige Kaschierung des Risses. Heinisch hat die Leinwand hierfür nachträglich auf eine weitere aufgespannt und hat den Schnitt farblich gestaltet...

Galerie Dibbert, Berlin: Performance mit Brigitta Stehr
Eine Vielzahl von Menschen scharen sich am 14.05.1983 in einem Raum der Galerie Dibbert in Berlin zusammen. Der Anlass hierzu ist eine Performance von Barbara Heinisch. Die Zuschauer und Zuschauerinnen nehmen größtenteils auf dem Boden Platz, während sich später Dazugekommene stehend, Schulter an Schulter, aneinanderreihen. Bis sie sich schließlich zu der Dachschrägen des Raumes, in der ein Fenster einen Spalt breit geöffnet ist, drängen. Eine Person sticht inmitten dieser Menschenmenge besonders hervor: Eine Frau mit schulterlangem braunem Haar und einer Brille, gekleidet in einem schwarzen Overall, die sich an einem säulenartigen Gebilde aus Rohren ablehnt. Es ist Barbara Heinisch. Allen gemein ist der nach vorn fokussierte Blick. Im Hintergrund schallen im Takt zwei immer wiederkehrende Trommelschläge, wiedergegeben von Steve Reich. Ähnlich einer Herzfrequenz, nur deutlich langsamer, pulsieren die Töne durch den Raum. Nach einigen Sekunden begibt sich Heinisch ruckartig in die Raummitte. Dort liegen Pinsel, Farbtöpfe und weiße Schalen zurechtgelegt. Sie greift nach einem der Pinsel, tunkt ihn in Farbe und schnellt zu den Leinwänden – zwei 200 x 300 cm große Nesseltücher, die zwischen drei im Raum stehenden Stützen aufgespannt sind. Wie ein Tor wirkt das Konstrukt...
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The American Blue MoMA P.S.1, N.Y. 1982












Die Liebe II | Galerie Dibbert Berlin 1983